Der Jetstream, das unsichtbare Band, das unser Wetter lenkt!

23.01.2026
Der Jetstream, das unsichtbare Band, das unser Wetter lenkt!

Wenn wir über das Wetter sprechen, denken wir an Wolken, Regen, Sonne oder Wind am Boden. Doch hoch oben, in etwa 8 bis 12 Kilometern Höhe, verläuft ein unsichtbares Phänomen, das unser Wetter oft stärker beeinflusst als jedes Tiefdruckgebiet: der Jetstream.

Er ist kein einzelner Wind, sondern ein mehrere tausend Kilometer langes Starkwindband, das sich wie eine gigantische Luftautobahn um die Nordhalbkugel schlängelt, mit Windgeschwindigkeiten von oft 200 bis über 300 km/h.

Hinweis für unsere Nutzer:
Die hier gezeigte Jetstream-Karte steht in unserer Wetterwebapp im 2. und 3. Wetterpaket zur Verfügung und ermöglicht einen direkten Blick auf die Strömungen in der Höhe, ein wichtiger Schlüssel zur Wetterentwicklung der kommenden Tage.


Was ist der Jetstream eigentlich?

Der Jetstream ist ein schmaler Streifen extrem starker Westwinde in der oberen Troposphäre. Besonders wichtig für unser Wetter ist der Polarfront-Jetstream, der zwischen kalter Polarluft im Norden und warmer Subtropikluft im Süden verläuft.

Man kann ihn sich vorstellen wie:

  • eine mächtige Strömung,

  • die Tiefdruckgebiete lenkt,

  • Hochdruckgebiete verstärkt oder blockiert,

  • und bestimmt, wo Kälte, Hitze, Regen oder Trockenheit landen.

Ohne Jetstream gäbe es unser typisches Wechselwetter in Europa so nicht.


Warum gibt es den Jetstream?

Der Jetstream entsteht durch ein einfaches, aber fundamentales Prinzip:

1. Temperaturgegensätze

Zwischen Äquator und Pol besteht ein enormer Temperaturunterschied:

  • Warme, leichte Luft im Süden

  • Kalte, schwere Luft im Norden

Diese Gegensätze erzeugen starke Druckunterschiede in der Höhe.

2. Erdrotation (Corioliskraft)

Durch die Drehung der Erde werden diese Luftströme abgelenkt und formen stabile Westströmungen.

Dort, wo der Temperaturunterschied am größten ist, an der Polarfront bildet sich der stärkste Höhenwind: der Jetstream.

Je größer der Temperaturkontrast, desto stärker der Jet.


Warum schlängelt sich der Jetstream?

Der Jetstream verläuft nicht gerade, sondern bildet große Wellen, sogenannte Rossby-Wellen.

Diese Wellen sind entscheidend für unser Wetter:

  • Nordwärts gerichtete Wellenbögen bringen Warmluft nach Norden → oft Hochdruck, Hitze, Trockenheit

  • Südwärts gerichtete Trog-Lagen transportieren Kaltluft nach Süden → Tiefdruck, Regen, Stürme, Kälteeinbrüche

Je stärker diese Wellen ausgeprägt sind, desto extremer und langlebiger werden Wetterlagen.


Was bedeutet der Jetstream für unser Wetter?

Der Jetstream ist so etwas wie der Dirigent der Wetterlage:

  • Er lenkt die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten.

  • Er entscheidet, wo Hochdruck blockiert.

  • Er kann Wetterlagen beschleunigen, oder wochenlang festhalten.

Typische Folgen:

  • Starker, geradliniger Jet → rascher Wetterwechsel

  • Schwacher, stark mäandrierender Jet → blockierte Lagen, Hitzeperioden, Dauerregen, Kältewellen

Viele Extremwetterlagen der letzten Jahre hängen direkt mit einem schwachen oder stark gewellten Jetstream zusammen.


Was zeigt der Jetstream aktuell über Europa?

Auf der aktuellen Karte sehen wir:

  • Ein sehr stark ausgeprägtes Jetband, das sich von Nordafrika über das Mittelmeer bis nach Asien zieht.

  • Über Südeuropa verläuft ein besonders intensiver Kern mit über 200–250 km/h in der Höhe.

  • Über Mitteleuropa liegt der Jet leicht südlich, mit eher moderaten Höhenwinden.

Das bedeutet konkret:

  1. Stabile West- bis Südwestlage für Europa
    Tiefdruckgebiete ziehen bevorzugt über Westeuropa nach Mitteleuropa.

  2. Aktive Tiefdruckzone südlich von uns
    Der starke Jet über dem Mittelmeer begünstigt kräftige Tiefs mit Sturm, Regen und teils intensiven Niederschlägen im Mittelmeerraum.

  3. Keine starke Blockade über Mitteleuropa
    Der Jet ist nicht extrem mäandrierend → kein klassischer Dauerhoch-Block, kein festgefahrener Kälteeinbruch.

Kurz gesagt:

Europa liegt aktuell in einer dynamischen, aber nicht extrem blockierten Wetterlage mit wechselhaftem Westwetter, aber ohne große Extreme.


Warum ist der Jetstream heute wichtiger denn je?

Mit dem Klimawandel verändert sich der Temperaturunterschied zwischen Arktis und Subtropen:

  • Die Arktis erwärmt sich schneller als der Rest der Erde.

  • Der Temperaturgradient wird schwächer.

  • Der Jetstream wird tendenziell langsamer und wellenreicher.

Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für:

  • lang anhaltende Hitzeperioden

  • stationäre Starkregenlagen

  • blockierte Wetterlagen

  • extreme Kälte- oder Hitzeausbrüche

Der Jetstream ist damit ein Schlüssel zur Erklärung vieler moderner Wetterextreme.


Zusammengefasst:

Der Jetstream ist:

  • der unsichtbare Motor unseres Wetters,

  • das Steuerband für Tiefs und Hochs,

  • und einer der wichtigsten Indikatoren für kommende Wetterlagen.

Wer den Jetstream versteht, versteht das Wetter.

Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf diese Karten, sie zeigen oft früher als jede Bodenkarte, wohin sich unser Wetter in den nächsten Tagen entwickeln wird!


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